Situativer Führungsstil nach Hersey/Blanchard
Während die klassischen Führungsstile (autoritär, kooperativ, Laisser-faire) feste Verhaltensmuster beschreiben, geht der situative Führungsstil – ein bekanntes Modell hierzu stammt von Hersey und Blanchard – einen entscheidenden Schritt weiter: Es gibt keinen universell „richtigen“ Führungsstil, sondern die Führungskraft muss aufgaben- und beziehungsorientiert führen, abhängig von der jeweiligen Situation.
Der passende Führungsstil hängt dabei von mehreren Faktoren ab:
- der persönlichen Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter
- der Aufgabe selbst (Komplexität, Dringlichkeit)
- der Positionsmacht der Führungskraft
- vor allem: dem Reifegrad (Erfahrung und Qualifikation) des jeweiligen Mitarbeiters – Erfahrung und Qualifikation tragen erheblich zum Unternehmenserfolg bei und bestimmen maßgeblich, wie viel Anleitung ein Mitarbeiter benötigt
Ergänzend zum situativen Führungsstil ist für die Prüfung die Unterscheidung der Motivarten wichtig:
- Intrinsische Motivation: Die Tätigkeit wird ausgeführt, weil der Mitarbeiter darin selbst Sinn und Erfüllung sieht und Freude an der Arbeit findet
- Extrinsische Motivation: Die Tätigkeit wird ausgeführt, um eine äußere Belohnung zu erhalten (Gehalt, Bonus, Anerkennung) oder eine negative Konsequenz zu vermeiden
Für die Führungspraxis bedeutet das: Ein neuer, unerfahrener Mitarbeiter benötigt in der Regel eine stärker aufgabenorientierte, anleitende Führung, während ein erfahrener, hochqualifizierter Mitarbeiter eher von einer beziehungsorientierten Führung profitiert, die seine Selbstständigkeit unterstützt.
Prüfungsrelevante Inhalte
Die Kernaussagen dieses Themas findest du in der Erklärung oben sowie im Merksatz, Fallbeispiel und der IHK-Prüfungsfrage in den Phasen unten. Detaillierte Formeln, Definitionen und Rechenwege werden schrittweise ergänzt.
Führung ist kein Anzug von der Stange – sie muss auf den Reifegrad jedes einzelnen Mitarbeiters zugeschnitten werden.
Tipps zum Merken: Laut aussprechen, mit eigenen Worten umformulieren, oder in Stichworten notieren.
Dieses Fallbeispiel bezieht sich auf dein Unternehmen.
Fallbeispiel
Ein neuer Auszubildender startet in der Marketingabteilung und kennt weder die internen Prozesse noch die verwendeten Tools. Eine erfahrene Kollegin im selben Team arbeitet seit zehn Jahren selbstständig und hochkompetent an anspruchsvollen Projekten.
Aufgabe
Erläutern Sie, warum beide Mitarbeiter nach dem situativen Führungsstil unterschiedlich geführt werden sollten.
Musterlösung ansehen
Nach dem situativen Führungsstil (z. B. nach Hersey/Blanchard) hängt der passende Führungsstil von der persönlichen Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter sowie von Aufgabe und Reifegrad des Mitarbeiters ab. Der neue Auszubildende benötigt aufgrund fehlender Erfahrung eine stärker aufgabenorientierte, anleitende Führung mit klaren Vorgaben. Die erfahrene Kollegin braucht dagegen kaum fachliche Anleitung, sondern eher eine beziehungsorientierte Führung, die ihre Selbstständigkeit unterstützt und wertschätzt. Ein einheitlicher Führungsstil für beide würde entweder den Auszubildenden überfordern oder die erfahrene Kollegin unnötig einengen.
Wie in der echten schriftlichen Prüfung
Eine Führungskraft möchte die Motivation ihrer Mitarbeiter besser verstehen, um sie gezielter zu führen. a) Erläutern Sie den Grundgedanken des situativen Führungsstils und nennen Sie ein zugehöriges Modell. b) Unterscheiden Sie intrinsische von extrinsischer Motivation anhand je eines Beispiels. c) Nennen Sie zwei Faktoren, die laut situativem Führungsstil neben der persönlichen Beziehung zum Mitarbeiter die Wahl des Führungsstils beeinflussen.
Lösungsweg ansehen
- Der situative Führungsstil geht davon aus, dass es keinen universell richtigen Führungsstil gibt, sondern dass dieser von der jeweiligen Situation abhängt – insbesondere von der persönlichen Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter. Ein bekanntes Modell hierzu ist die Theorie von Hersey und Blanchard.
- Intrinsische Motivation: Die Tätigkeit wird ausgeführt, weil der Mitarbeiter darin selbst Sinn und Erfüllung sieht und Freude an der Arbeit findet (z. B. Freude an kreativer Konzeptentwicklung). Extrinsische Motivation: Die Tätigkeit wird ausgeführt, um eine von außen kommende Belohnung zu erhalten oder eine Bestrafung zu vermeiden (z. B. Gehalt, Bonuszahlung, Anerkennung durch Vorgesetzte).
- Neben der persönlichen Beziehung spielen laut situativem Führungsstil die Aufgabe selbst sowie die Positionsmacht der Führungskraft eine wichtige Rolle bei der Wahl des passenden Führungsstils.
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