Konflikteskalation nach Glasl

Phase 01

Verstehen

Lies den Inhalt aufmerksam. Nimm dir Zeit — hier entsteht die Grundlage für alles weitere.

Konflikte sind laut Friedrich Glasl ein normales menschliches Phänomen – und haben durchaus auch positive Wirkungen: Sie setzen Energien für die Problemlösung frei, können eine Gruppe stärken und ermöglichen es einer Führungskraft, verborgene Problemfelder zu erkennen. Erst ein unkontrolliert eskalierender Konflikt wird zum Risiko.

Glasl beschreibt die Konflikteskalation in neun Stufen, die sich zu drei übergeordneten Ebenen zusammenfassen lassen:

Ebene Kennzeichnung Typische Stufen
1. Ebene Win-Win Verhärtung, Debatte, erste Handlungen
2. Ebene Win-Lose Image und Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohungen und Gegendrohungen
3. Ebene Lose-Lose begrenzte Vernichtungsschläge, Zersplitterung, gemeinsam in den Abgrund

Der entscheidende Merksatz für die Praxis: Je früher ein Konflikt erkannt und bearbeitet wird, desto größer ist die Chance auf eine für beide Seiten vorteilhafte (Win-Win-)Lösung. Wird ein Konflikt in den ersten drei Stufen nicht erfolgreich gelöst, eskaliert er weiter – mit jeder Stufe sinkt die Wahrscheinlichkeit einer einvernehmlichen Lösung, und die Wahrscheinlichkeit von Verlierern auf beiden Seiten steigt. Als Führungskraft ist es daher wichtig, Konflikte im Team frühzeitig wahrzunehmen und aktiv zu moderieren, statt sie sich selbst zu überlassen.

Prüfungsrelevante Inhalte

Die Kernaussagen dieses Themas findest du in der Erklärung oben sowie im Merksatz, Fallbeispiel und der IHK-Prüfungsfrage in den Phasen unten. Detaillierte Formeln, Definitionen und Rechenwege werden schrittweise ergänzt.

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Phase 02

Merken

Lerne diesen Satz auswendig. Er ist dein Anker für die Prüfung.

Ein Konflikt, der auf der ersten Stufe gelöst wird, kostet ein Gespräch – auf der letzten Stufe kostet er das ganze Unternehmen.

Tipps zum Merken: Laut aussprechen, mit eigenen Worten umformulieren, oder in Stichworten notieren.

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Phase 03

Anwenden

Übertrage das Gelernte auf eine realistische Situation. Schreibe deine Lösung auf, bevor du die Musterlösung ansiehst.

Fallbeispiel

Zwei Abteilungsleiter streiten seit Wochen öffentlich über Budgetzuständigkeiten. Was anfangs eine sachliche Meinungsverschiedenheit war, ist inzwischen zu gegenseitigen persönlichen Vorwürfen vor versammelter Belegschaft eskaliert, und beide suchen bereits Verbündete in anderen Abteilungen.

Aufgabe

Ordnen Sie diese Situation grob in das Eskalationsmodell nach Glasl ein und begründen Sie, warum ein frühzeitiges Eingreifen sinnvoll gewesen wäre.

Musterlösung ansehen

Die Situation befindet sich bereits auf der zweiten Ebene des Modells (Win-Lose), vermutlich im Bereich der Stufe „Image und Koalitionen" – beide Parteien suchen inzwischen Verbündete und tragen den Konflikt öffentlich aus, statt ihn sachlich zu klären. Ein frühzeitiges Eingreifen auf der ersten Ebene (Win-Win, z. B. bei bloßer Verstimmung oder erster Debatte) wäre deutlich einfacher gewesen, da dort noch eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung erreichbar ist. Mit fortschreitender Eskalation sinkt die Wahrscheinlichkeit einer einvernehmlichen Lösung erheblich, und es drohen zunehmend Verluste für beide Seiten.

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Phase 04

Prüfen

Echte IHK-Prüfungsfrage. Beantworte sie schriftlich, dann prüfe deinen Lösungsweg.

IHK-Format

Wie in der echten schriftlichen Prüfung

Als Führungskraft bemerken Sie erste Anzeichen einer Verhärtung zwischen zwei Teammitgliedern. a) Nennen Sie die drei übergeordneten Ebenen des Glasl-Modells und ihre jeweilige Kennzeichnung (Win-Win, Win-Lose, Lose-Lose). b) Erläutern Sie, warum Konflikte laut Glasl nicht ausschließlich negativ zu bewerten sind. c) Begründen Sie, warum ein rechtzeitiges Eingreifen als Führungskraft besonders auf der ersten Eskalationsebene erfolgversprechend ist.

Lösungsweg ansehen
  1. Erste Ebene: Win-Win (z. B. Verhärtung, Debatte, erste Handlungen) – eine für beide Seiten vorteilhafte Lösung ist noch möglich. Zweite Ebene: Win-Lose (z. B. Image und Koalitionen, Gesichtsverlust, Drohungen) – eine Seite gewinnt auf Kosten der anderen. Dritte Ebene: Lose-Lose (z. B. begrenzte Vernichtungsschläge, Zersplitterung, gemeinsam in den Abgrund) – beide Seiten verlieren, oft unabwendbar.
  2. Konflikte setzen Energien für die Lösung von Problemen frei und können eine Gruppe richtig formen. Wenn ein Konflikt erfolgreich gelöst wurde, sind die Reaktionen und Grenzen der Mitarbeiter bekannt, was künftig eine vertrauensvollere Zusammenarbeit ermöglicht. Führungskräfte können durch Konflikte zudem Problemfelder erkennen, die sonst verborgen geblieben wären.
  3. Auf der ersten Ebene sind beide Parteien noch an einer gemeinsamen, konstruktiven Lösung interessiert und zeigen Engagement für das Problem. Mit jeder weiteren Eskalationsstufe verhärten sich die Positionen, es kommen zunehmend Drittparteien und Emotionen ins Spiel, und die Wahrscheinlichkeit sinkt, dass eine für beide Seiten akzeptable Lösung noch erreichbar ist.

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