Marktkennzahlen & Prognosetechniken

Phase 01

Verstehen

Lies den Inhalt aufmerksam. Nimm dir Zeit — hier entsteht die Grundlage für alles weitere.

Zur Charakterisierung eines Marktes und als Entscheidungsgrundlage dienen quantitative Kennzahlen. Für Prognosen stehen qualitative und quantitative Verfahren zur Verfügung.

Marktstruktur verstehen

Bevor Kennzahlen berechnet werden können, muss der Markt sachlich, zeitlich und räumlich klar abgegrenzt sein. Ein Fehler in der Abgrenzung verfälscht alle nachfolgenden Berechnungen.

Kennzahl Frage die sie beantwortet
Marktvolumen Wie groß ist der Markt tatsächlich?
Marktpotenzial Wie groß könnte der Markt maximal sein?
Absoluter Marktanteil Wie stark ist unser Unternehmen auf dem Markt?
Relativer Marktanteil Wie stark sind wir im Vergleich zum Marktführer?
Sättigungsgrad Wie ausgeschöpft ist der Markt bereits?

Prognosen richtig einsetzen

Kein Prognoseverfahren ist für alle Situationen geeignet. Die Wahl hängt vom Zeithorizont und der Komplexität der Einflussfaktoren ab:

  • Bis 4 Jahre, stabile Faktoren → Trendprognose (quantitativ)
  • 5–10 Jahre, mehrere Faktoren → Regression (quantitativ)
  • 10–15 Jahre, hohe Unsicherheit → Szenariotechnik oder Delphi (qualitativ)

Begriffe & Definitionen

Marktvolumen
Tatsächlich realisierter Gesamtabsatz (mengenmäßig oder wertmäßig) auf einem definierten Markt in einer bestimmten Periode. Formel: Inlandsproduktion − Exporte + Importe.
Marktpotenzial
Maximale Aufnahmefähigkeit eines Marktes. Theoretischer Höchstwert, der nur bei vollständiger Marktausschöpfung erreicht würde.
Absoluter Marktanteil
Anteil eines Unternehmens am Gesamtmarktvolumen in Prozent. Zeigt die Stellung eines Unternehmens auf dem Markt.
Relativer Marktanteil
Marktanteil des eigenen Unternehmens im Verhältnis zum stärksten Wettbewerber. Basis der BCG-Portfolio-Analyse.
Sättigungsgrad
Verhältnis von Marktvolumen zu Marktpotenzial in Prozent. Zeigt, wie weit ein Markt bereits ausgeschöpft ist.
Trendprognose
Quantitative Methode zur Vorhersage zukünftiger Werte auf Basis historischer Zeitreihendaten und der Methode der kleinsten Quadrate.

Formelsammlung

Marktvolumen

MV = Inlandsproduktion − Exporte + Importe

Gibt den tatsächlich abgesetzten Gesamtmarkt an. Alternativ: Inlandsabsatz + Importe (wenn Exportdaten fehlen).

Einheit: Mengeneinheiten oder €

Absoluter Marktanteil

MA (%) = (Inlandsumsatz Unternehmen A ÷ Marktvolumen) × 100

Prozentualer Anteil am Gesamtmarkt. Wichtig: Nur Inlandsumsatz verwenden, nicht Gesamtumsatz.

Einheit: %

Relativer Marktanteil

MA relativ = Marktanteil A ÷ Marktanteil größter Wettbewerber × 100

Wert > 100: Marktführer. Wert < 100: Unterlegener. Wird in der BCG-Matrix auf der X-Achse abgebildet.

Einheit: Index (kein %)

Sättigungsgrad

S (%) = (Marktvolumen ÷ Marktpotenzial) × 100

100 % = vollständig gesättigter Markt. Je höher der Wert, desto schwieriger das Wachstum.

Einheit: %

Trendgerade (Methode kleinste Quadrate)

yt = a + b × t

a = Achsenabschnitt (Startwert), b = Steigung pro Periode, t = Zeitwert. a und b werden über ein Gleichungssystem aus den Historiedaten berechnet.

Einheit: Umsatz in €, Absatz in Stück etc.

Rechenweg Schritt für Schritt

Aufgabe

Die VENTO Klimatechnik GmbH erzielte 2024 einen Inlandsumsatz von 18 Mio. €. Das Marktvolumen für Klimageräte beträgt 120 Mio. €. Der größte Wettbewerber hat einen Marktanteil von 30 %.

  1. Absoluten Marktanteil berechnen

    MA = (18 ÷ 120) × 100

    = 15 %

  2. Relativen Marktanteil berechnen

    MA relativ = 15 ÷ 30 × 100

    = 50 (VENTO ist halb so stark wie der Marktführer)

  3. Interpretation

    Relativer MA < 100 → kein Marktführer

    VENTO hält 15 % des Marktes, ist aber nur halb so stark wie der Marktführer

Fazit

Ein relativer Marktanteil von 50 bedeutet: VENTO muss seinen Umsatz verdoppeln, um Marktführer zu werden. In der BCG-Matrix je nach Marktwachstum als 'Question Mark' oder 'Star' einzustufen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Marktvolumen = Inlandsproduktion − Exporte + Importe (realisierter Markt)
  • Absoluter Marktanteil zeigt die eigene Stellung auf dem Markt in %
  • Relativer Marktanteil vergleicht mit dem stärksten Wettbewerber — Basis der BCG-Matrix
  • Trendprognose: nur für 3–4 Jahre sinnvoll (Ceteris-paribus-Annahme!)
  • Qualitative Prognosen (Szenario, Delphi): für Zeiträume > 5 Jahre und bei vielen Einflussvariablen
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Phase 02

Merken

Lerne diesen Satz auswendig. Er ist dein Anker für die Prüfung.

Das Marktvolumen beschreibt die Gegenwart, der Trend nur die nächsten drei bis vier Jahre – länger lügt die Gerade.

Tipps zum Merken: Laut aussprechen, mit eigenen Worten umformulieren, oder in Stichworten notieren.

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Phase 03

Anwenden

Übertrage das Gelernte auf eine realistische Situation. Schreibe deine Lösung auf, bevor du die Musterlösung ansiehst.

Fallbeispiel

Die VENTO Klimatechnik GmbH hat 2024 einen Inlandsumsatz von 18 Mio. € erzielt. Das gesamte Marktvolumen betrug 120 Mio. €. Der größte Wettbewerber kommt auf 30 %.

Aufgabe

Berechnen Sie den absoluten und den relativen Marktanteil der VENTO Klimatechnik GmbH und interpretieren Sie das Ergebnis.

Musterlösung ansehen

Absoluter MA = 18 ÷ 120 × 100 = 15 %. Relativer MA = 15 ÷ 30 × 100 = 50. VENTO ist kein Marktführer und nur halb so stark. In der BCG-Matrix je nach Marktwachstum als Question Mark oder schwacher Star positioniert.

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Phase 04

Prüfen

Echte IHK-Prüfungsfrage. Beantworte sie schriftlich, dann prüfe deinen Lösungsweg.

IHK-Format

Wie in der echten schriftlichen Prüfung

Die Geschäftsführung der VENTO Klimatechnik GmbH möchte den Umsatz für die nächsten drei Jahre prognostizieren. a) Erläutern Sie den Unterschied zwischen qualitativen und quantitativen Prognoseverfahren. b) Nennen Sie die wichtigste Einschränkung einer linearen Trendprognose. c) Welches qualitative Verfahren eignet sich für einen Planungshorizont von 10–15 Jahren?

Lösungsweg ansehen
  1. a) Qualitative Prognosen: verbale Einschätzungen ohne genaue Zahlenwerte, z. B. Szenariotechnik und Delphi. Quantitative Prognosen: mathematisch berechnete Zahlenwerte, z. B. lineare Trendprognose, Regression.
  2. b) Bei der Trendprognose wird unterstellt, dass alle Einflussfaktoren der Vergangenheit unverändert in dieselbe Richtung wirken (Ceteris-paribus-Annahme). Das ist selten länger als 3–4 Jahre zutreffend.
  3. c) Die Szenariotechnik (Planungshorizont 10–15 Jahre). Sie liefert mehrere alternative Zukunftsbilder (best/wahrscheinlich/worst case) statt einer einzelnen Linie.

Wie lief es?

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