Deckungsbeitragsrechnung im Marketingcontrolling

Phase 01

Verstehen

Lies den Inhalt aufmerksam. Nimm dir Zeit — hier entsteht die Grundlage für alles weitere.

Die Deckungsbeitragsrechnung ist ein zentrales Instrument der Teilkostenrechnung — im Gegensatz zur Vollkostenrechnung werden die Fixkosten nicht auf einzelne Produkte verteilt, sondern als Gesamtblock behandelt. Das macht die Methode deutlich aussagekräftiger für kurzfristige Entscheidungen.

Grundprinzip

Jedes Produkt muss zunächst seine eigenen variablen Kosten decken. Was darüber hinausgeht, ist der Deckungsbeitrag — der Betrag, der zur Deckung der Fixkosten und letztlich zum Gewinn beiträgt.

Kategorie Beschreibung
Variable Kosten ändern sich mit der Menge (Material, Fertigungslöhne)
Fixkosten bleiben konstant (Miete, Verwaltung, Abschreibungen)
Deckungsbeitrag Umsatz minus variable Kosten

Entscheidungslogik

Die häufigste Prüfungsfalle ist die falsche Anwendung der DB-Logik bei Engpässen:

Ohne Engpass: Das Produkt mit dem höchsten absoluten DB pro Stück wird bevorzugt.

Mit Engpass: Das Produkt mit dem höchsten relativen DB (DB pro Engpasseinheit) wird bevorzugt — auch wenn der absolute DB niedriger ist.

Begriffe & Definitionen

Deckungsbeitrag (DB)
Differenz zwischen Umsatzerlösen und variablen Kosten eines Produkts. Zeigt, wie viel ein Produkt zur Deckung der Fixkosten und zum Gewinn beiträgt.
Variable Kosten
Kosten, die sich proportional zur Produktionsmenge verändern, z. B. Materialkosten, Fertigungslöhne.
Fixkosten
Kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen, z. B. Miete, Gehälter der Verwaltung.
Kapazitätsengpass
Engpassfaktor, der die maximale Produktionsmenge begrenzt, z. B. Maschinenstunden, Regalfläche, Arbeitsstunden.
Relativer Deckungsbeitrag
Deckungsbeitrag je Einheit des Engpassfaktors (z. B. € pro Maschinenstunde). Entscheidungsgrundlage bei Kapazitätsbeschränkungen.

Formelsammlung

Absoluter Deckungsbeitrag

DB = Verkaufspreis − variable Kosten

Berechnet den Beitrag eines Produkts zur Deckung der Fixkosten. Positiver DB bedeutet: Das Produkt erwirtschaftet mehr als seine variablen Kosten.

Einheit: € pro Stück

Deckungsbeitrag gesamt

DB gesamt = DB pro Stück × Absatzmenge

Gesamter Deckungsbeitrag aller verkauften Einheiten eines Produkts.

Einheit: €

Relativer Deckungsbeitrag

DB relativ = DB pro Stück ÷ Engpassverbrauch pro Stück

Gibt an, wie viel Deckungsbeitrag pro Einheit des knappen Faktors erzielt wird. Bei Engpässen ist dieser Wert entscheidend, nicht der absolute DB.

Einheit: € pro Engpasseinheit (z. B. €/Maschinenstunde)

Gewinn

Gewinn = Gesamtdeckungsbeitrag − Gesamtfixkosten

Erst wenn der Gesamtdeckungsbeitrag die Fixkosten übersteigt, entsteht ein Gewinn.

Einheit: €

Rechenweg Schritt für Schritt

Aufgabe

Die FORMWERK Spritzguss GmbH produziert Produkt A (DB 18 €/Stück, 30 Min. Maschinenzeit) und Produkt B (DB 12 €/Stück, 10 Min. Maschinenzeit). Die Maschine läuft maximal 800 Stunden pro Monat. Welches Produkt soll bei einem Maschinenengpass bevorzugt produziert werden?

  1. Relativen DB für Produkt A berechnen

    DB relativ A = 18 € ÷ 0,5 h

    = 36 €/Maschinenstunde

  2. Relativen DB für Produkt B berechnen

    DB relativ B = 12 € ÷ 0,167 h (10 Min)

    = 71,86 €/Maschinenstunde

  3. Vergleich und Entscheidung

    B: 71,86 €/h > A: 36,00 €/h

    Produkt B bevorzugen!

Fazit

Obwohl Produkt A den höheren absoluten DB pro Stück hat, ist Produkt B bei einem Maschinenengpass wirtschaftlich überlegen — es erwirtschaftet fast doppelt so viel pro knapper Maschinenstunde.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Der Deckungsbeitrag zeigt, wie viel ein Produkt zur Fixkostendeckung beiträgt: DB = Verkaufspreis − variable Kosten
  • Bei FREIER Kapazität entscheidet der ABSOLUTE Deckungsbeitrag pro Stück
  • Bei ENGPASS entscheidet der RELATIVE Deckungsbeitrag (DB ÷ Engpassverbrauch)
  • Erst wenn die Summe aller DB die Fixkosten übersteigt, entsteht Gewinn
  • Klassischer Prüfungsfehler: Engpassprodukt nur nach absolutem DB auswählen — immer relativen DB berechnen!
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Phase 02

Merken

Lerne diesen Satz auswendig. Er ist dein Anker für die Prüfung.

Bei freier Kapazität zählt der absolute Deckungsbeitrag, bei einem Engpass zählt der Deckungsbeitrag pro Engpassstunde.

Tipps zum Merken: Laut aussprechen, mit eigenen Worten umformulieren, oder in Stichworten notieren.

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Phase 03

Anwenden

Übertrage das Gelernte auf eine realistische Situation. Schreibe deine Lösung auf, bevor du die Musterlösung ansiehst.

Fallbeispiel

Die FORMWERK Spritzguss GmbH produziert zwei Kunststoffteile. Teil A erzielt einen Deckungsbeitrag von 18 € pro Stück, Teil B von 12 € pro Stück. Die Produktionsanlage ist aktuell nicht ausgelastet.

Aufgabe

Welches Produkt sollte bei freier Kapazität bevorzugt gefördert werden, und ändert sich diese Empfehlung, wenn die Anlage zum Engpass wird?

Musterlösung ansehen

Bei freier Kapazität ist der absolute DB entscheidend → Teil A (18 €). Wird die Anlage zum Engpass, muss der relative DB berechnet werden. Teil B benötigt nur 10 statt 30 Minuten pro Stück → relativer DB Teil B = 72 €/h vs. Teil A = 36 €/h. Bei Engpass daher Teil B bevorzugen.

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Phase 04

Prüfen

Echte IHK-Prüfungsfrage. Beantworte sie schriftlich, dann prüfe deinen Lösungsweg.

IHK-Format

Wie in der echten schriftlichen Prüfung

Ein Unternehmen produziert Produkt X (Preis 50 €, variable Kosten 32 €, 2 Maschinenstunden) und Produkt Y (Preis 40 €, variable Kosten 25 €, 1 Maschinenstunde). Die Fixkosten betragen 60.000 € pro Monat. a) Berechnen Sie den absoluten DB beider Produkte. b) Berechnen Sie den relativen DB. Welches Produkt soll bei Maschinenengpass bevorzugt werden? c) Ab welcher Gesamtmenge (nur Produkt Y) werden die Fixkosten gedeckt (Break-Even)?

Lösungsweg ansehen
  1. a) DB Produkt X = 50 − 32 = 18 € | DB Produkt Y = 40 − 25 = 15 €
  2. b) rel. DB X = 18 ÷ 2 = 9 €/h | rel. DB Y = 15 ÷ 1 = 15 €/h → Produkt Y bevorzugen, da 15 €/h > 9 €/h
  3. Break-Even Y: 60.000 ÷ 15 = 4.000 Stück. Ab 4.001 Stück erzielt das Unternehmen Gewinn.

Wie lief es?

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