Sekundärforschung
Sekundärforschung greift auf bereits vorhandenes, zugängliches Datenmaterial zurück – im Unterschied zur Primärforschung, die Daten originär neu erhebt. Man unterscheidet interne Quellen (Umsatz-, Preis-, Absatzstatistiken, Außendienstberichte, Reklamationsstatistiken) und externe Quellen (amtliche Statistik, Wirtschaftsverbände, Forschungsinstitute, Wirtschaftsdatenbanken, Internet und Social Media).
Der Vorteil liegt auf der Hand: schnell, günstig, sofort verfügbar. Der Nachteil ebenfalls: Die Daten wurden meist zu einem anderen Zweck erhoben, sind nicht immer aktuell und folgen oft anderen Abgrenzungen als die eigene Fragestellung verlangt.
Vier Kriterien zur Beurteilung der Quellenqualität:
- Glaubwürdigkeit der Quelle – ein Erfahrungswert, kein objektives Maß
- Erhebungsgrundlagen – Zweck, Zeitpunkt und Umstände der Erhebung
- Vergleichbarkeit der Daten – gleiche Abgrenzung über die Zeit, besonders kritisch bei Verbandsstatistiken mit wechselndem Organisationsgrad
- Erhebungs- und Verarbeitungsmethodik – wissenschaftlich oder aus subjektiven Annahmen abgeleitet?
Daneben gelten die drei klassischen Gütekriterien: Objektivität, Reliabilität und Validität. Diese drei Begriffe sind nicht nur für Sekundärquellen relevant – sie sind das Vokabular, mit dem in der Prüfung jede Form von Datenqualität bewertet wird.
Prüfungsrelevante Inhalte
Die Kernaussagen dieses Themas findest du in der Erklärung oben sowie im Merksatz, Fallbeispiel und der IHK-Prüfungsfrage in den Phasen unten. Detaillierte Formeln, Definitionen und Rechenwege werden schrittweise ergänzt.
Eine Sekundärquelle ist erst dann brauchbar, wenn sie glaubwürdig, im Zeitablauf vergleichbar und nach nachvollziehbarer Methodik erhoben wurde.
Tipps zum Merken: Laut aussprechen, mit eigenen Worten umformulieren, oder in Stichworten notieren.
Dieses Fallbeispiel bezieht sich auf dein Unternehmen.
Fallbeispiel
Ein Verband meldet, der mittelständische Werkzeugmaschinenbau sei 2025 um 9 % gewachsen. Die NORDFRÄS GmbH will diese Zahl ihrer Investitionsplanung zugrunde legen.
Aufgabe
Prüfen Sie, ob die Verbandszahl ungeprüft übernommen werden sollte, und nennen Sie die Kriterien, anhand derer Sie das beurteilen würden.
Musterlösung ansehen
Verbandsstatistiken bilden nur die meldenden Mitgliedsunternehmen ab. Wenn der Organisationsgrad des Verbands gering ist, kann die Zahl stark von der tatsächlichen Branchenentwicklung abweichen. Vor der Übernahme sollte geprüft werden: Wie hoch ist der Organisationsgrad? Stammt die Zahl aus einer wissenschaftlich nachvollziehbaren Erhebung (Erhebungsmethodik)? Ist sie mit Vorjahreszahlen nach gleicher Abgrenzung vergleichbar? Erst danach ist eine Investitionsentscheidung auf dieser Basis vertretbar.
Wie in der echten schriftlichen Prüfung
Die Geschäftsleitung der NORDFRÄS GmbH möchte vor einer Investitionsentscheidung auf Daten externer Verbände zurückgreifen, statt eine teure Primärerhebung zu beauftragen. a) Nennen Sie vier Hauptkriterien zur Beurteilung der Qualität einer Sekundärquelle. b) Erläutern Sie zusätzlich die drei klassischen Gütekriterien empirischer Forschung. c) Nennen Sie zwei typische Nachteile sekundärstatistischer Daten gegenüber einer eigenen Primärerhebung.
Lösungsweg ansehen
- a) Glaubwürdigkeit der Quelle, Kenntnis der Erhebungsgrundlagen (Zweck, Zeitraum, Umstände der Erhebung), Vergleichbarkeit der Daten im Zeitablauf, Erhebungs- und Verarbeitungsmethodik.
- b) Objektivität (Ergebnis unabhängig von der erhebenden Person), Reliabilität (Wiederholung liefert gleiches Ergebnis), Validität (es wird tatsächlich das gemessen, was gemessen werden soll).
- c) Die Daten wurden ursprünglich zu einem anderen Zweck erhoben und passen daher oft nicht exakt zur eigenen Fragestellung; unterschiedliche Abgrenzungen der Grundgesamtheit erschweren internationale oder zeitliche Vergleiche.
Wie lief es?
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